Unsinn und Verstand

… was auch immer

Nach kalter Nacht

Papyrus zerknüllt
und wieder glattgestrichen
wie zu Glas erstarrt

Brüchig zart doch hart
tektonischen Platten gleich
liegt Eis auf dem Teich

Leere Seite

Weiße Orchidee
am Fenster bleicher Himmel
blank wie mein Papier

Der eigene Schatten

Die ihn nicht sehen
müssten sich schon umdrehen
nicht weiter gehen

Dann wird es kalt

Wenn lange Schatten
Passanten voraus gehen
und Blätter wehen

Destination

Geklärt entstiegen
dem Dunst des Wolkenbades
scheint er nun müde

Bleibt doch pflichtgetreu
halb leuchtend, halb umschattet
im Bann der Erde

Das Blaue vom Himmel

Da oben weilen
in der Farbe magerer
Milch wie vergossen

Sonst wer und Wolken
klar durchschaubar sein sollten
im Dunstkreis bleiben

Kurze Liebe

Die Stiefel gingen
Ledersattelseife blieb
noch nach zehn Jahren

Abgang

Sein Glas steht noch dort
so unberührt wie’s aussieht
musste er schnell fort

Zum Geburtstag

Gutes will ich tun
für dich – ein Huhn im Ofen
oder Bienenstich?

Torte mit Kerzen
Herzen? Du bist doch ein Mann!
Dann – was schenke ich?

Nur Kostspieliges
könnt’ ich’s dir kaufen, Liebster
Küsse kosten nichts

Herbstlaub und Existenz

Blatt für Blatt trudelt
fällt und hält sich eine Weile
schlingernd auf dem Fluss