Der 2. Mai
Gott streicht den Himmel
heute lustlos einheitsgrau
der Einfaltspinsel
Am Tag der Arbeit
ließ er die Sonne scheinen
das demonstriert nichts
Gott streicht den Himmel
heute lustlos einheitsgrau
der Einfaltspinsel
Am Tag der Arbeit
ließ er die Sonne scheinen
das demonstriert nichts
In schweren Zeiten
Bände weiser Gedichte
sie schrieben sich leicht
wie schöne Verse
aus unerfüllter Liebe
oder Einsamkeit
nur Vollkommenheit
lässt das Reimen besser sein
Das Gedicht taugt nicht
Jene Frühlingsnacht
als der Mond den Schleier trug
sehnsüchtig wartend
bis der Tag einbrach
Der Mond hob seinen Schleier
und wurde sehr blass
Die kleine Wolke
unschuldig am Horizont
macht doch keinen Schnee
Bloß zarte Schleier
schmeicheln dem Abendhimmel
errötend zur Nacht
Der Mond liegt im Dunst
will nichts von morgen wissen
So wenig wie ich
Merklich frischt Wind auf
weht kalt um meine Beine
hinten tost die See
Dort laufen Mäntel
Nylonleinen halten sie
von Drachen geführt
Der Himmel ist blau
Möwen lassen sich treiben
Ich träume weiter
Der Takt des Tages
gleichmäßig wie die Brandung
unendlich – doch kurz
Die langen Schatten
leise Kühle – tiefes Licht
Vorboten der Nacht