Unsinn und Verstand

… was auch immer

Der 2. Mai

Gott streicht den Himmel
heute lustlos einheitsgrau
der Einfaltspinsel

Am Tag der Arbeit
ließ er die Sonne scheinen
das demonstriert nichts

Wer wenig schreibt muss glücklich sein

In schweren Zeiten
Bände weiser Gedichte
sie schrieben sich leicht
wie schöne Verse
aus unerfüllter Liebe
oder Einsamkeit
nur Vollkommenheit
lässt das Reimen besser sein
Das Gedicht taugt nicht

Einbruch

Jene Frühlingsnacht
als der Mond den Schleier trug
sehnsüchtig wartend
bis der Tag einbrach

Der Mond hob seinen Schleier
und wurde sehr blass

Wetteraussicht

Die kleine Wolke
unschuldig am Horizont
macht doch keinen Schnee

Bloß zarte Schleier
schmeicheln dem Abendhimmel
errötend zur Nacht

Der Mond liegt im Dunst
will nichts von morgen wissen
So wenig wie ich

Strandkorbsicht

Merklich frischt Wind auf
weht kalt um meine Beine
hinten tost die See

Dort laufen Mäntel
Nylonleinen halten sie
von Drachen geführt

Der Himmel ist blau
Möwen lassen sich treiben
Ich träume weiter

Aufbruch

Der Takt des Tages
gleichmäßig wie die Brandung
unendlich – doch kurz

Die langen Schatten
leise Kühle – tiefes Licht
Vorboten der Nacht