Unsinn und Verstand

… was auch immer

Vierter Akt, Nacht

Häuser, Brücke, Fluss
Dezembertag, Ansicht triste
bis die Sonne sinkt

Ensemble entflammt
über Schattenrissen glimmt
kleiner Abendstern

Langsam erhebt sich
die Hauptfigur der Szene
groß prahlender Mond

Im Dunkeln lieben
Kater auf Freierspfoten
Doch das sieht niemand

Zwischenmenschlich

Lies die Tonlage
sieh’ die Gestik und Mimik
Hör’ was sagt der Bauch

Einschnitt

Glasscherbenmond
in zartblaue Himmelshaut
geritzte Sichel

Der Abendstern blinkt
wie eine kleine Träne
aus dem Auge rinnt

Abweichungen

Die Form verlassen
eine neue Behausung
für Worte schaffen

Rhythmen und Reime
ungereimte lose Leine
zieht nach Freiheit

Aufwachen

Reiste durch die Nacht
sprang von fahrenden Zügen
den nächsten verpasst

Sah einen alten Mann
räuspernd etwas zu sagen
ich wende mich ab

Taube auf dem Dach
trippelt die Rinne entlang
dreht sich um sich selbst

Bettkante

Spalt der Gardine
ein erweitertes Auges
nur halb geöffnet

Schläfrig noch sitzend
eine Krähe schüttelt sich
kurz vor dem Abflug

Metamorphose

Wer bist du mein Kind?
bleib’ bei mir kleine Raupe
flieg’ fort Schmetterling

Asphaltrauschen

Schirme mit Beinen
Zwei und vier unter einem
hasten schwarz durch Nass

Abwärts

Herbstlaub, Windstille
spiralförmiger Sinkflug
Fallgefühl im Traum

Am Ende einsilbig

Goldener Boden
wie schnell die Blätter trudeln
an einem Schuh Dreck