Unsinn und Verstand

… was auch immer

Wortschwund

Auf der Bank
Buch in der Hand
Spatz lenkt ab
sucht und pickt
Buchstabenkrumen

Kleiner Ausflug

Zu meinen Füßen
winzige Fischlein stieben
sicher im Seichten

Zum Abschied zeichnen
Gräser Schattenstillleben
grau am Straßensaum

Freigelegt

Durchsichtig sein Rund
so wie Nichts in der Schwebe
war gestern der Mond

Doch heute wird klar
sich durch den Schleier schneidend
die Sichel sichtbar

Am Wannsee

Wie Kohlweißlinge
segeln die Optimisten
quer und hin und her

Vor dem Tag

Dort starre ich hin
sehe ihn, auf dem Schornstein
wie er sitzt, fast kippt

Das war in der Nacht
der Mond entschwand inzwischen
flammend rotes Dach

Zündelnde Sonne
blitzkurze Schauerträume
Morgenhelligkeit

Der Erste

Schwarzer Flügelschlag
schon macht er sich unsichtbar
dreht ab nach oben

Wissend sie sind da
wohin mein Auge nicht reicht
Ankunft der Segler

Morgenrausch

Absichtlich wach bleibt
mir durchsichtig zugeneigt dunsttrunkener Mond

Luna Minor

Im Inneren scheint
ein grüner und blauer Mond
nur äußerlich weiß

Dünn wie Löschpapier
den kalten Tintenhimmel
am Rand aufsaugend

Monokausalität

Ein schwerer Stein bricht
sein Herz und fällt von ihrem
Zwei Vögel fliegen

Kurzlebig

Ewig nachgedacht
daraus ein Gedicht gemacht
sofort vergessen

Dabei umgerührt
lange ein Gericht gekocht
schon war’s gegessen