Unsinn und Verstand

… was auch immer

Zwischenmenschlich

Lies die Tonlage
sieh’ die Gestik und Mimik
Hör’ was sagt der Bauch

Einschnitt

Glasscherbenmond
in zartblaue Himmelshaut
geritzte Sichel

Dunkelheit bedeckt
das Unaussprechliche
nächtliche Stille

Abweichungen

Die Form verlassen
eine neue Behausung
für Worte schaffen

Rhythmen und Reime
ungereimte lose Leine
zieht nach Freiheit

Aufwachen

Reiste durch die Nacht
sprang von fahrenden Zügen
den nächsten verpasst

Sah einen alten Mann
räuspernd etwas zu sagen
ich wende mich ab

Taube auf dem Dach
trippelt die Rinne entlang
dreht sich um sich selbst

Bettkante

Spalt der Gardine
ein erweitertes Auges
nur halb geöffnet

Schläfrig noch sitzend
eine Krähe schüttelt sich
kurz vor dem Abflug

Metamorphose

Wer bist du mein Kind?
bleib’ bei mir kleine Raupe
flieg’ fort Schmetterling

Asphaltrauschen

Schirme mit Beinen
Zwei und vier unter einem
hasten schwarz durch nass

Abwärts

Herbstlaub, Windstille
spiralförmiger Sinkflug
Fallgefühl im Traum

Am Ende einsilbig

Goldener Boden
wie schnell die Blätter trudeln
an einem Schuh Dreck

Sammeln

Direkt auf mein Haupt
fiel die erste Kastanie
ich hob sie nicht auf

Etwas fehlte mir
nun liegen von ihnen vier
neben meinem Bett

Schrumpeln vor sich hin
solange sie noch glänzen
werf’ ich sie nicht weg