Unsinn und Verstand

… was auch immer

Category: Haiku

Zuviel gesagt

Dem Mond fehlt ein Stück
über die Bäume verstreut
in tausend Blättchen
Mondlicht, schenk’ mit ein Gedicht
sichelscharf und blütenzart

Referenzpunkt

Nicht die Wände hoch
gehen, den Mond zu sehen
bewegt, wie er steht
unberührt vom Geschehen
ungerührt

Nature morte

Ein totes Häschen
wie für’s Stilleben drapiert
Augen weit entrückt

Großes Erstaunen
das kleine Hasenseelchen
in die Wolken hüpft

Schlaftrunk

Wenn die Nacht mich weckt
hält der Mond einen Schimmer
Schummmerlicht bereit

Milchig wie es scheint
denk ich mir warmen Honig
und schlummere ein

Spätsommer

Ein Kind balanciert
auf dem letzen Sonnenstrahl
Schatten sich neigen
im Wind weht mein Silberhaar
Laub tanzt den Straßenreigen

Hinter’m Dachfirst

Am Fester stehend
auf Zehenspitzen spähend
einen Zipfel Mond

Ausgefegt

Dunkelste Ecke
die Spinne mich erschreckte
lange dort schon saß

Ausgelegt

Wellen und Dellen
schon lange auf dem Teppich
er glättet sich nicht

Apologie der Sicht

Durch Mauern beschränkt
der Blick unendlich versenkt
hinein in’s Blaue
Wäre Weite zu sehen
sucht das Auge den Rahmen

Analog

Nachdenken im Bett
jetzt auf dem Stuhl am Fenster
dem Schreibtisch näher