Unsinn und Verstand

… was auch immer

Category: Haiku

Beunruh

Vollmond hält mich wach
Käuzchen rufen in die Nacht
die Hirsche röhren
Baumwipfel raunen im Wald
bald kommt mein Geliebter, bald

Moment mal

Zeit existiert nicht
dieser, nicht mein Gedanke
gefällt mir und ich wische mit einer Handbewegung
die Zeit vom Tisch
verlasse den Raum
werfe einen Blick
die Uhr tickt ohne mich

Bis dann und wann

Gute Nacht Lied

Gib dich der Nacht hin, Kind
leg dich
in die Wiege des Mondes

Gib dich dem Tag hin
tanz auf einem Sonnenstrahl
oder im Regen

Eine Pfütze spiegelt dich
schön wie du bist

Porzellan

Meine Mutter liegt
mit ausgeschlagenen Zähnen
ich weine nicht

Mein Kind denkt an Suizid ich weine nicht

Eine Schüssel zerbicht
Ich weine
als wär’s mein Leben

Es ist eine schöne Schüssel
ich werde sie zusammenkleben

Die Antwort

Deine Vergangenheit
gehört Dir
zu deinem Sein
umhüllt dich wie ein Kleid
Du bist nicht allein
denk an die Liebe
sie ist dein
kam zu dir nach der Gewalt
Liebe stärkt
umhüllt dich wie ein Kleid
ist stärker
wie ein Teil deiner Vergangenheit
Dein Lachen wurde dir in die Wiege gelegt
Du bist stark
Gewalt vergeht
weil du die bekämpfst
schreist
schreibst
Tag für Tag
alles tut dir weh
Du wirst sie niederschreien
auf sie spucken
niederschreiben
bis nur Verachtung für sie bleibt
und vollgeschriebene Seiten
Du stehst mit erhobenen Haupt
hast andere überzeugt
So sehe ich dich
so glaube ich an dich
wie an die Liebe
die in dir lebt
und dein Lachen siegt
Die Zukunft gehört dir

Mit Fünfzehn

Mein Kind soll spielen
kein Spielball sein
soll balancieren
auf allen Höhen
sich finden
in Tiefen
doch nicht im Abgrund

Bis zur Lichtung

Wolkige Worte
getürmt durch einen Windstoß
den Kopf wie geleert
Wege mit Schatten geteert
Schlangen schlafen am Wegrand
unsichtbar, doch wahr

Revidere

Unsere Welt scheint klein
zeitgleich doch unendlich weit
wir atmen die See
durchschwimmen leicht die Luft
grau in grau verhüllt
vertraut

Juli

War nicht gestern noch
lichthell flirrende Hitze?
Lag halbnackt im Gras
nur ein Fuchs sah mich schräg an
flüchtig wie der heiße Tag

Kühle Frühe

Heller Halbmond schmilzt
in gelben Gräsern warten
stille Zikaden
grüne Schatten greifen
nach ihren steifen Beinen